Sinje's Blog - Interview Selva

EINLEITUNG (sinje): Ich lese zurzeit das Buch FRAUSEIN von Mely Kiyak, sie ist in Deutschland geboren und in

einer kurdisch-türkischen Familie aufgewachsen. Heute lebt sie in Berlin als Autorin, schreibt Kolumnen

unteranderem auch für das Maxim Gorki Theater und veröffentlich auch Bücher, Essays und Theaterstücke.

„Ich bin eine Frau. Ich bin es gerne. Da ist kein Hadern. Kein Bedauern. Kein Mangel. Aber auch kein Überfluss.

Davon möchte ich erzählen.

Ich beginne dafür an irgendeiner Stelle. Denn es gibt keine Anfänge. Es gibt nur den Blick zurück.“

Seite 9, Mely Kiyak, Frausein, Hanser Verlag2020

Mely Kiyak beeindruckt mit ihrem Blick auf die Welt und das Frausein, als Kind der ersten Generation von

Gastarbeitern in Deutschland die „...nie aufbegehrten. Sich politisch nie bemerkbar machten, niemals

Ansprüche stellten. Der Aufstieg ihrer Töchter entschädigte sie für alles.“ S. 32

Im zweiten Teil des Blogs über Frauenrechte spreche ich mit vier Frauen, die alle einen sogenannten

Migrationshintergrund haben und hier in der Schweiz leben. Alle vier engagieren sich in der ExpoTranskultur

und erzählen von ihrem Frausein:

Fragen an Selva (Chile)

„Ich bin eine Frau. Ich bin es gerne. Da ist kein Hadern. Kein Bedauern. Kein Mangel. Aber auch kein Überfluss.“

So beschreibt sich Mely Kiyak, wie würdest Du Dich beschreiben?

Wo beginnt Deine Geschichte mit einem Blick zurück?

Ich bin in Santiago de Chile geboren, Tochter eines Einwanderers aus Kroatien und einer Chilenin, vermutlich

Spanischer Abstammung. Meine Mutter und meine Großmutter, waren als selbständige Geschäftsfrauen in der Gastronomie tätig. Damit haben sie sich ihren Lebensunterhalt verdient, ihre Kinder allein grossgezogen und ihnen eine gute Ausbildung ermöglicht. Meiner Mutter war es wichtig mir eine gute Ausbildung zu ermöglichen, so wurde ich in einer englischen Privatschule in Santiago unterrichtet. Aus familiären Gründen setzte ich mein Studium in Kroatien fort und kam schließlich in die Schweiz, wo ich mehr als die Hälfte meines Lebens lebe.

Ich bin als Export Fachfrau bei einer Schweizer Unternehmen tätig wo ich über die Jahre die Chance hatte mich persönlich wie auch beruflich weiter zu entwickeln. Ich wurde immer von meinen Vorgesetzten respektiert, geschätzt und ich bekam auch viel Anerkennung für meine Leistungen. Auch bei uns sitzen nur Männer auf der Chef Etage. Ich muss zugeben, dass ich mich während dieser langen beruflichen Laufbahn manchmal Gehör verschaffen musste bei meinen Vorgesetzten um wirklich gehört zu werden.


Spanien und Portugal, die ehemaligen Kolonialherren, waren keine Vorreiter des Frauenwahlrechts in Europa Das Triumvirat Kirche – Klerus – Katholizismus ist aus Südamerika kaum wegzudenken, die Geschlechterrollen sind klar definiert. Die Dominanz der Männer wird mit dem Begriff Machismo gekennzeichnet. Frauen wurden (werden?) als Heilige oder Huren gesehen, und keines dieser Stereotype ermöglichte ihnen den Weg in die Politik. – so steht es bei Wikipedia. Michelle Bachelet war von 2014 bis 2018 Präsidentin von Chile und widerlegt damit den genannten Stereotyp. Wie hat sie das geschafft und was hat sie bewirkt?

Zweifellos wird die Bildungsreform das wichtigste Triumph sein, dass an Bachelet erinnern wird; die

Erarbeitung und Durchführung eines Konzepts für eine unentgeltliche Bildungsreform, insbesondere für die fast 260.000 betroffenen Familien, die schätzungsweise 60% der von der Regierung eingeführten kostenlosen Universitätsgebühren erreichten. Selbst für einige bedeutete dies einen kulturellen Wandel in einem Land mit einer starken neoliberalistischen Wirtschaft, in dem Bildung seit Jahrzehnten als Marktgut behandelt wird. Ein grosser Triumph für Michael war das Abtreibungsgesetzt durchzusetzen in folgenden drei Fällen: Vergewaltigung, Lebensgefahr der Mutter oder des Fetus. Auch ihr Kampf gegen die Korruption war bemerkenswert; ihr ist zu verdanken, dass mehrere Gesetze geändert wurden, um die Korruption in Chile einzudämmen.


Machismo: Ist das ein Klischee? Musstest Du Dich gegen Machos behaupten? In Chile in der Schweiz?

Machismo ist kein Klischee, es gab, gibt und wird immer Machismo geben. Wir müssen weiter gegen ihn

kämpfen. Glücklicherweise habe ich persönlich das nicht erlebt. Als Kind habe ich jedoch einige böse Episoden innerhalb der Familie erlebt. Deshalb war mir schon in jungen Jahren klar, dass ich mich niemals von einem Mann manipulieren oder ausbeuten lassen würde, weder emotional noch finanziell.


Gleichzeitig gibt es das Vorurteil der Diven, die ebenfalls in Südamerika übervertreten sind. Bist Du eine Diva?

Ich glaube nicht.


Im Ausland werde ich immer wieder Mal nach den Appenzellerinnen gefragt, die doch besonders lange auf ihr Stimmrecht warten mussten. Hast Du Lieblingsgeschichten/ Anekdoten/ Witze rund um die Genderthematik in Chile (in Kroatien)? Best-of, Worst-of?

Nein, nicht wirklich.


In Chile und Kroatien wurde das Frauenstimmrecht (1946 und 1948) viel früher als in der Schweiz in Kraft gesetzt.

Ist es besser als Mann oder als Frau geboren zu werden? Gibt es Unterschiede, ob wir über die Schweiz oder über Chile sprechen?.

Das kann ich nicht beurteilen. Ich fühle mich auf jedem Fall sehr wohl als Frau geboren zu sein und bin sehr zufrieden.


Was sind die besten Tricks & Tipps um sich als Frau in der Schweiz zu behaupten? In Chile? In Kroatien?

Drei Wünsche für alle Frauen auf der Welt:

1. Die Basis für mich ist, egal wo auf der Welt: eine gute Ausbildung und ein guter Job, aktiv zu bleiben, um

unabhängig zu sein und Träume zu erfüllen. Eine Frau sollte ihren Job niemals ganz kündigen, um einfach

Mutter und Hausfrau zu sein. Infolgedessen verlieren Sie definitiv Ihre Unabhängigkeit.

2. Generell glaube ich, dass es keinen Grund gibt, negative Erfahrungen zu machen. Wenn wir Frauen

Männer auf Augenhöhe begegnen, authentisch sind und unser bestens geben, egal ob privat oder im

Beruf.

3. Wir müssen lernen mit Männern umzugehen; In den meisten Fällen können Männer nicht mit unserer

emotionalen Seite umgehen, weil sie rational denken. Auf jedem Fall brauchen Frauen eine gesunde

Intelligenz im Umgang mit Männern und sollten ihnen niemals das Gefühl geben, weniger gut, weniger

intelligent, weniger stark oder weniger fähig zu sein als wir.

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