Frauenrechte III

Aktualisiert: Feb 18

Blog 1: Teil 3: Frauenrechte: Was war, was ist und was sein sollte - von Sinje H.



Was war, was ist und was sein sollte

Am 7. Februar 1971 stimmten die Schweizer Männer an den Urnen der Verfassungsänderung zu, dass künftig auch alle Schweizerinnen die gleichen politischen Rechte wie sie erhalten (65,7 % Ja zu 34,2% Nein). Damit verlor die Schweiz als Binnenland in Europa spät ihr Inseldasein in Sachen Frauenstimmrecht. 1974 folgte Portugal und als letztes Land in Europa das Fürstentum Lichtenstein im Jahr 1984.

Der Weg war lang und steinig und brauchte zwei Anläufe bis zum Erfolg. 1948 feierte die Schweiz das 100-jährige Bestehen der Bundesverfassung unter dem Motto: die «Schweiz, ein Volk von Brüdern», zu diesem Zeitpunkt hatten bereits alle Länder Europas, mit Ausnahme der oben genannten, das Frauenwahlrecht eingeführt. Die Schweizer Frauenverbände erklärten das Motto um, zu einem «Volk von Brüdern ohne Schwestern» und überreichten dem Bundesrat symbolisch eine Europakarte mit einem schwarzen Fleck in der Mitte.


Bis heute ist die Westschweiz progressiver, essentielle Impulse kamen von der Partei der Arbeit, die in der Romandie besonders stark vertreten war. Auf kantonaler Ebene erkämpften sich die Frauen in der Schweiz von ‘West nach Ost’ das Stimmrecht, 1959 nimmt als erster der Kanton Waadt das Stimmrecht an, gefolgt von Neuenburg im gleichen Jahr und Genf 1960. Als erster Deutschschweizer Kanton folgte Basel-Stadt 1966 und die italienische Schweiz 1969. Ganz ohne Druck von aussen gelang das auf Bundesebene nicht. Beim Beitritt der Schweiz zum Europarat, stellte sich ein Problem mit den Menschenrechten: Sie gelten für Menschen und nicht nur für Männer. Erst nach 1974 konnte die Europäische Menschenrechtskonvention durch die Schweiz unterzeichnet werden, nachdem die Frauen das Stimmrecht 1971 erhalten hatten.

Beim Marsch uf Bärn 1969 stand die Zürcherin Emilie Lieberherr an vorderster Front «Wir stehen hier nicht als Bittende, sondern als Fordernde» sagte sie auf dem Berner Bundesplatz. Sie haben es geschafft und das Recht auf Gleichberechtigung der Geschlechter durchgesetzt und damit Rechtsgleichheit für alle volljährigen Einheimischen geschaffen.

Seit 1971 ist die Schweiz also ‚keine halbe Demokratie‘ mehr, aber eine ‚Dreiviertel‘. 25% der Bevölkerung hat bis dato keine politischen Rechte: diejenigen, die hier ohne Schweizer Pass leben. Es bleibt zu hoffen, dass das nicht wieder so lange dauert wie bei den Frauenrechten. Ein Anfang ist gemacht: Die Kantone Neuenburg und Jura und 605 Gemeinden haben das Ausländer*innenstimmrecht eingeführt, keine Überraschung, die meisten davon liegen in der Westschweiz. Ich hoffe, dass Emilies Lieberherrs Zürich ebenfalls das Stimmrecht aller Bewohner*innen, egal welcher Nationalität, zumindest auf Gemeindeebene bald durchsetzt. Damit die Menschen die hier leben, zumindest ihre nächste Umgebung, auch politisch mitgestalten können.


Fortsetzung folgt...

3 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Mithelfen in der ETK

Als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter aktiv werden!

Der Verein ExpoTranskultur (ETKultur) sucht ständig ehrenamtliche Mitarbeiter*innen für sein interkulturelles, interdisziplinäres und hochmotiviertes Team.

Kontakt: volunteers@expotranskultur.org oder hier.