Das Käsefondue

Das Käsefondue, flüssiger Käse mit Brot, die Schweiz hat es nicht erfunden.

Die genaue Herkunft des Käsefondues ist unklar. Sowohl in der Schweiz, in Italien als auch in Frankreich wurde schon immer Käse zu einer Art Suppe geschmolzen. Das Käsefondue als Schweizer Nationalgericht gibt es erst seit den 1950er-Jahren.


1914 gründete die Schweiz eine Marketing- und Handelsorganisation, um den Schweizer Käse im Ausland besser verkaufen zu können: die Käseunion. Sie, die die gesamte Milch und Käseproduktion im In- und Ausland vermarktete, begann 1930 das Fondue als helvetische Spezialität zu bewerben, um den Absatz des Hartkäses zu fördern. Durch seine Präsentation an der Weltausstellung in New York 1940, erlangte «das Schweizer Käsefondue» seinen internationalen Ruf.


Durch die Aufnahme des Gerichtes in die Armeekochbücher wurde das Fondue in der ganzen Schweiz bekannt. Die Wehrmänner brachten das Rezept aus dem Militärdienst in die Familien. Die Firma Zingg AG brachte 1955 das erste Fertigfondue auf den Markt. Doch ohne die entsprechenden Utensilien war das in einer Wohnung nicht machbar. Für ein Käsefondue braucht es ein Set aus Caquelon, so nennt man den speziellen Ton-Topf für den Käse, Rechaud, so heisst das Gestell mit der Flamme, die es braucht, damit der Käse auch bis zum Schluss flüssig bleibt und überlange Gabeln, sonst kann man das Brot nicht in den Käse tauchen.


Es waren wieder pfiffige Werber, die ab den 1970er-Jahren das Käsefondue durch eine breit angelegte Werbekampagne in der ganzen Schweiz etablierten. Dabei konnte man in fast jedem Käseladen nicht nur den Käse kaufen, sondern auch gleich die nötigen Utensilien für eine geringe Gebühr mieten. (Foto: Käsefondue-Set von Obi)



Fondue passte wunderbar in die Zeit des Wirtschaftswunders, wo Essen nicht mehr primär eine Nahrungsaufnahme war, sondern zu einer geselligen Angelegenheit wurde. Alle aus dem gleichen Topf zu essen, hatte etwas Rustikales. Die Flamme des Rechauds erinnert fern an ein Lagerfeuer, es stankt nach Sprit und Käse. Jeder Kanton kreierte sein Rezept mit der eigenen Käsesorte. Da das Essen von flüssigem Käse per se schnell langweilig wird, wurden bald Rituale mit Käsefondue Essen etabliert. Wobei bei der Erfindung von Bestrafungen bei verloren gegangenen Brotstücken keine Grenzen gesetzt wurden.


Das Wort Fondue, das auf Französisch ja «geschmolzen» bedeutet, galt bald als ein Wort für gemeinsames Essen, bei dem alle etwas in den gleichen Topf tauchten. So zum Beispiel beim Fondue Bourguignonne, bei dem dünne Fleischstücke in Fett gegart werden, oder Fondue Chinoise bei dem Fleisch, Fisch, Gemüse und Nudeln in kleinen Körben in einer Bouillon garen. Hauptsache jeder war beschäftigt, das Essen musste erarbeitet werden und der Erfolg hingt nicht von der Kochfertigkeit einer einzelnen Person ab.


Mit der Zeit wurden weitere Varianten des «Eventessens» erfunden, die wir bis heute kennen. Im Racletteofen werden Käsescheiben geschmolzen, auf dem Partygrill Fleisch und Gemüse gegart, am Mongolentopf (eine Mischung von Partygrill und Fondue Chinois) wird Fleisch aufgespiesst und Gemüse in Bouillon getaucht. Es werden individuelle Pizzas oder Pfannkuchen am Tisch gebacken. Ins Käsefondue taucht man Kartoffeln, Gemüse oder Früchte. Hautsache jeder kocht und isst was er will, nach seinem Gusto.


-Ana

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